Noch nie gab es so viele Superreiche wie heute: 946 Milliardäre gibt es weltweit. Die meisten haben ihr Vermögen selbst erworben, nicht ererbt - mit genialen Einfällen, mit Fleiß, Glück und teils mit krimineller Energie.
"Was nützt der Erfolg, wenn dich keiner kennt?", ist das Motto des New Yorker Baulöwen Donald Trump. In den 70er Jahren stieg er in die Firma seines Vaters ein, der mit dem Bau von Mietwohnungen in Queens, Brooklyn und Staten Island ein Vermögen von mehr als 350 Millionen Dollar gemacht hatte. Trump kaufte in Manhattan heruntergekommene Hotels und verwandelte sie in Luxustempel. Die Stadt New York gewährte ihm dafür Steuernachlässe in Millionenhöhe.
In den 80er Jahren, als Manhattan zur Lieblingsadresse der Reichen und Schönen wurde, erwies sich dieser Deal für Trump als äußerst profitabel. Für eine Wohnung in einem der Wolkenkratzer, auf denen der Name "Trump" prangt, war die High Society bereit, astronomische Preise zu zahlen. "Ich baue nicht für die Reichen", sagt Trump selbst, sondern für die Superreichen".
Fünf Milliarden Dollar hat der Immobilienunternehmer Trump nach eigenen Angaben. Erst kürzlich hat er gegen den Journalisten Timothy O'Brien geklagt, der in einem Buch behauptet, Trump sei eigentlich nur Multimillionär. "Als Multimillionär ist man heute in Amerika gar nichts mehr", sagt der Wirtschaftsjourmalist Michael Jungblut. "Heute müssen es schon ein paar Milliarden sein, wenn man sich in der New Yorker Gesellschaft so sonnen will, wie Trump das gerne tut."
Silvio Berlusconi, der reichste Italiener, war sechs Jahre lang auch der mächtigste. 1936 als Sohn eines leitenden Bankangestellten geboren, studierte er Jura und stürzte sich mit 25 ins Baugeschäft. Er leitete Großprojekte wie die Luxus-Trabantenstadt "Mailand 2" für zehntausend gut zahlende Bewohner. Woher der Jungunternehmer das Startkapital nahm, ist unklar. In den Trabantenstädten hatte Berlusconi Fernsehkabel mitverlegen lassen und wenig später produzierte er - als landesweites Privatfernsehen noch verboten war - schon eigenes Programm. Mit seichter Unterhaltung und lukrativen Produktshows dominierte er den italienischen TV-Markt, bald gehörten auch Zeitschriften und Supermarktketten zum Imperium Berlusconi.
1994 ging er mit dem populistischen Bündnis "Forza Italia" in die Politik. Der Parteikader bestand aus seinen Angestellten, die eigene Medienmaschine unterstützte ihn nach Kräften, er selbst präsentierte sich den Wählern als skandalfreier Selfmade-Man - und tatsächlich gewann er die Wahl.
In seiner zweiten Amtszeit als Ministerpräsident ließ er ein Immunitätsgesetz beschließen, das ihm Ärger mit der Justiz wegen Bestechung, Steuerhinterziehung und Bilanzfälschung ersparen sollte. Insgesamt stand er ein Dutzend Mal vor Gericht. Vier Mal wurde er verurteilt, vier Mal sprach ihn die nächste Instanz frei. Kritiker vermuten Einflussnahme, sprachen von einem schleichenden Staatsstreich. Erst im Wahlkampf 2006 begann der Stern des Politikers Berlusconi zu sinken, mit knapper Mehrheit siegte Romano Prodi.
Die Idee zu Harry Potter sei ihr bei einer Zugfahrt gekommen, sagt Joanne Rowling. 25 war sie damals, hatte einen Uni-Abschluss in der Tasche und pendelte zwischen London und Manchester, wo sie als Sekretärin arbeitete. Ihre Mutter war schwer krank, seit Joanne ein Teenager war. 1990 starb sie an Multipler Sklerose. "Es war eine fürchterliche Zeit", erinnert sich Joanne Rowling. Um auf andere Gedanken zu kommen, ging sie nach Portugal und jobbte als Englischlehrerin. Sie lernte einen TV-Journalisten kennen, heiratete und bekam eine Tochter. Doch die Ehe zerbrach nach nur einem Jahr und die 27-Jährige kehrte mit ihrer vier Monate alten Tochter zurück nach England.
Dort fand sie als alleinerziehende Mutter keinen Job und lebte von Sozialhilfe. Doch den ersten Band von "Harry Potter" hatte sie fast fertig - fast täglich schrieb sie in einem Café an der Geschichte. Zwölf Verlage lehnten das Buch ab, nur der Bloomsbury-Verlag entschied sich 1997, eine kleine Auflage von 500 Stück zu drucken. Nur drei Tage nach Erscheinen des ersten Bandes kaufte der US-Verlag Scholastic die amerikanischen Rechte für 100.000 Dollar.
Noch nie war für ein Kinderbuch einer völlig unbekannten Autorin eine so hohe Summe gezahlt worden. Damit änderte sich das Leben der Joanne Rowling quasi über Nacht. Andere Verlage wurden hellhörig und zogen nach. Die Erfinderin von Harry Potter wusste schon damals, dass sie insgesamt sieben Bände schreiben wollte. Als der vierte Band im Jahr 2000 in Rekordauflagen erschien, war sie bereits ein Star. Heute ist die 41-Jährige die reichste Frau Großbritanniens mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar.
Der reichste Russe wurde im Westen bekannt, als er 2003 für 210 Millionen Euro den Londoner Fußballklub FC Chelsea kaufte. Einen "Milliardär aus dem Nichts" hat man ihn genannt: Als jüdisches Waisenkind wuchs er bei einem Onkel in Moskau auf und verdiente sein erstes Geld angeblich auf dem Schwarzmarkt mit West-Parfüm und Marken-Jeans. Mit 20 gründete er eine private Kooperative, die Plastikspielzeug herstellte.
Im Oktober 1992 wurde Russlands Staatseigentum privatisiert. Jeder Bürger bekam einen Voucher, einen Anteilsschein, im Wert von 10.000 Rubeln. Wie manch anderer erkannte Abramowitsch seine Chance und kaufte Tausende von Vouchern auf. Das Ingenieursstudium brach er ab und arbeitete zeitweise als Broker an den wilden Moskauer Börsen. "Abramowitsch kam durch etwas dubiose Geschäfte zu Geld und legte dieses Geld sehr geschickt in Aktien an", so Michael Jungblut. "Aktien von Unternehmen, die damals nichts wert waren, aber nach kurzer Zeit aufgrund des Ölreichtums oder anderer tatsächlicher Werte einen großen Reichtum bedeuteten."
Den Wahlkampf Boris Jelzins 1996 unterstützte Abramowitsch schon aus eigener Tasche mit vielen Millionen. Jelzin wurde noch einmal Präsident und die sogenannten Oligarchen, die mächtigen Finanziers im Hintergrund, durften die russische Rohstoffindustrie unter sich aufteilen. Als Jelzin den Erdölkonzern Sibneft versteigern ließ, stieg Abramowitsch mit 150 Millionen Dollar ein. Fünf Jahre später war sein Anteil an Sibneft bereits mehrere Milliarden wert. Mehrfach wurde wegen Geldwäsche gegen ihn ermittelt, aber ohne Ergebnis.
Während andere Oligarchen, wie sein früherer Geschäftspartner Chodorkovskij, bei Jelzins Nachfolger Putin in Ungnade fielen, sicherte sich Abramowitsch weiter die Gunst des Kreml. Er verkaufte Sibneft für elf Milliarden an die staatliche Gazprom und blieb auf Putins Wunsch als Gouverneur der ärmsten Region Russlands, Tschukotka im Nordosten Sibiriens, aktiv. Ein Posten, der auch politische Immunität garantiert. Über 200 Millionen Euro hat er seitdem in die entlegene Region gepumpt - Investitionen, die den Kreml günstig stimmen.